Diffusion, Protonenübergang und Salzbildung auf Stoff- und Teilchenebene
So geht’s: Tippe auf eine Lupe, um die Teilchen in der Lösung oder über der Öffnung zu sehen. Öffne die Flaschen mit den Knöpfen am Flaschenhals. Sind beide Flaschen offen, halte die Öffnungen zusammen.
Konzentrierte Salzsäure gibt das Gas Hydrogenchlorid ab, konzentrierte Ammoniaklösung das Gas Ammoniak. Treffen die beiden Gase in der Luft aufeinander, geht ein Proton (H+) vom Hydrogenchlorid-Molekül auf das Ammoniak-Molekül über. Es entstehen Ammonium-Ionen und Chlorid-Ionen, die sich zum Salz Ammoniumchlorid zusammenlagern. Das Besondere: Dieser Protonenübergang läuft ohne Beteiligung von Wasser ab.
Bei einer Säure-Base-Reaktion geht ein Proton von einem Teilchen auf ein anderes über.
Stößt ein Hydrogenchlorid-Molekül mit einem Ammoniak-Molekül zusammen, bindet das nichtbindende Elektronenpaar des Stickstoff-Atoms das Proton. Aus dem Ammoniak-Molekül wird ein Ammonium-Ion mit vier N–H-Bindungen und positiver Ladung, aus dem Hydrogenchlorid-Molekül ein Chlorid-Ion. Das Bindungselektronenpaar der H–Cl-Bindung bleibt beim Chlor-Atom, das Chlorid-Ion ist deshalb negativ geladen.
NH3 + HCl → NH4+ + Cl−
Das Hydrogenchlorid-Molekül ist die Säure, das Ammoniak-Molekül die Base. Weil in der Luft keine Wasser-Moleküle beteiligt sind, entstehen dabei keine Oxonium-Ionen und keine Hydroxid-Ionen: Das Proton geht vom Hydrogenchlorid-Molekül unmittelbar auf das Ammoniak-Molekül über, ohne Umweg über ein Wasser-Molekül. Säure-Base-Reaktionen sind also nicht auf wässrige Lösungen beschränkt.
Ammonium-Ionen und Chlorid-Ionen ziehen sich wegen ihrer entgegengesetzten Ladung an und lagern sich zu kleinen Ionengittern zusammen. Ammoniumchlorid kristallisiert bei Raumtemperatur im selben Gittertyp wie Caesiumchlorid: Jedes Ion hat acht nächste Nachbarn der anderen Sorte. Viele solcher Kriställchen schweben als weißer Rauch in der Luft. Insgesamt: NH3 (g) + HCl (g) → NH4Cl (s); dabei wird Energie frei.
Salzsäure (37 %) ist eine Lösung von Hydrogenchlorid in Wasser; ein Liter ist aus etwa 12 mol Hydrogenchlorid und 41 mol Wasser entstanden. Beim Lösen gibt praktisch jedes Hydrogenchlorid-Molekül sein Proton an ein Wasser-Molekül ab. Das Wasser-Molekül ist hier die Base, es wird zum Oxonium-Ion.
HCl + H2O → H3O+ + Cl−
In der Lösung gibt es deshalb kaum Hydrogenchlorid-Moleküle, sondern Oxonium-Ionen, Chlorid-Ionen und Wasser-Moleküle, etwa im Anzahlverhältnis 1 : 1 : 2,4. An der Oberfläche läuft der Protonenübergang auch rückwärts: Ein Oxonium-Ion gibt ein Proton an ein benachbartes Chlorid-Ion ab (H3O+ + Cl− → HCl + H2O). Jetzt ist das Oxonium-Ion die Säure und das Chlorid-Ion die Base. Das entstandene Hydrogenchlorid-Molekül entweicht in den Gasraum. Trifft ein Hydrogenchlorid-Molekül aus dem Gasraum auf die Oberfläche, gibt es sein Proton wieder an ein Wasser-Molekül ab.
Ammoniaklösung (25 %) ist eine Lösung von Ammoniak in Wasser; ein Liter enthält etwa 13 mol Ammoniak und 38 mol Wasser. Hier gibt ein Wasser-Molekül ein Proton an ein Ammoniak-Molekül ab: Das Wasser-Molekül ist die Säure, das Ammoniak-Molekül die Base.
NH3 + H2O ⇌ NH4+ + OH−
Ammoniak ist eine schwache Base. Der Protonenübergang läuft ständig in beide Richtungen ab: Treffen ein Ammonium-Ion und ein Hydroxid-Ion zusammen, geht das Proton zurück. Es stellt sich ein Gleichgewicht ein, in dem nur ein sehr kleiner Teil der Ammoniak-Moleküle protoniert ist: In dieser Lösung kommt auf etwa 860 Ammoniak-Moleküle nur ein Ammonium-Ion. Aus der Oberfläche entweichen Ammoniak-Moleküle, keine Ionen.
Das Wasser-Molekül kann also je nach Partner ein Proton abgeben oder aufnehmen. Ein Teilchen, das sowohl als Säure als auch als Base reagieren kann, heißt Ampholyt.
Die Gas-Moleküle bewegen sich ungeordnet und stoßen ständig mit Luft-Molekülen zusammen; dabei ändern sie ihre Richtung. So verteilen sie sich langsam in der Luft. Bei gleicher Temperatur sind leichtere Moleküle im Mittel schneller: Ammoniak-Moleküle (Ammoniak: M = 17 g/mol) bewegen sich bei 20 °C im Mittel mit etwa 600 m/s, Hydrogenchlorid-Moleküle (Hydrogenchlorid: M = 36,5 g/mol) mit etwa 410 m/s.
https://www.lern-chemie.de/sim/sim-ammoniak-hydrogenchlorid.html