SN2-Reaktion von Hydroxid-Ionen mit Brommethan-Molekülen
Ablauf einer nukleophilen Substitution in der Teilchendarstellung
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Aufgaben
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Nukleophile Substitution am Halogenalkan
Ein Nukleophil ersetzt im Halogenalkan-Molekül das Halogen-Atom.
Gezeigt wird der einfachste Fall: ein Brommethan-Molekül und ein Hydroxid-Ion.
CH3Br + OH− → CH3OH + Br−
Nukleophil und Abgangsgruppe
Das Nukleophil bringt ein freies Elektronenpaar mit und bildet damit die neue
Bindung. Die Abgangsgruppe nimmt das bindende Elektronenpaar mit. Sie muss dessen
negative Ladung tragen können: Je schwächer die Base, desto besser die
Abgangsgruppe. In der Reihe Fluorid, Chlorid, Bromid, Iodid nimmt die Basenstärke ab
und die Reaktionsbereitschaft zu.
Rückseitenangriff
Die C–Br-Bindung ist polar, das Kohlenstoff-Atom trägt eine positive
Partialladung. Auf der Seite des Brom-Atoms verhindern dessen Größe und dessen
freie Elektronenpaare den Angriff. Das Nukleophil nähert sich deshalb der
gegenüberliegenden Seite.
„Hinten“ heißt gegenüber der Abgangsgruppe, nicht
hinten im Bild.
Warum die Reaktion in einem Schritt verläuft
Drei Abläufe wären denkbar. Erfolgte der Angriff zuerst, hätte das
Kohlenstoff-Atom fünf Bindungspartner; dafür fehlt ihm ein fünftes Orbital.
Erfolgte der Abgang zuerst, bliebe ein Carbenium-Ion zurück – das ist der
SN1-Mechanismus, der tertiären Halogenalkanen vorbehalten bleibt: Ein
Methyl-Carbenium-Ion wäre zu instabil, weil keine Alkylgruppen die positive Ladung
tragen. Es bleibt der gleichzeitige Ablauf, die SN2-Reaktion.
Daraus folgt das Geschwindigkeitsgesetz: Weil beide Teilchen am geschwindigkeitsbestimmenden
Schritt beteiligt sind, gilt v = k · c(CH3Br)
· c(OH−). Die 2 in SN2 steht für diese
Molekularität, nicht für die Zahl der Schritte.
Warum Brommethan
An diesem Substrat bleibt nur dieser eine Weg: kein SN1 mangels stabilem
Carbenium-Ion, keine Eliminierung mangels Nachbar-Kohlenstoff-Atom, und die drei Reste am
angegriffenen Kohlenstoff-Atom sind gleich.
Mit zunehmender Verzweigung wird die Rückseite abgeschirmt – die
SN2-Reaktion wird langsamer, während die SN1-Reaktion schneller
wird.
Der Energieverlauf
Auf dem Weg von den Edukten zu den Produkten durchläuft die Reaktion einen Zustand
höchster Energie: den Übergangszustand. Die Energie, die dafür
aufgebracht werden muss, ist die Aktivierungsenergie. Sie bestimmt, wie schnell
die Reaktion abläuft.
Eine Zwischenstufe entsteht nicht. Eine Zwischenstufe wäre ein Teilchen mit
vollständigen Bindungen und eigener, wenn auch kurzer Lebensdauer; der Übergangszustand
ist keines. Deshalb verläuft die Reaktion in einem Schritt.
Für dieses Teilchen sind zwei Bezeichnungen gebräuchlich: Zwischenstufe und Zwischenprodukt. Beide meinen dasselbe.
Die Produkte liegen energetisch tiefer als die Edukte: Die C–O-Bindung ist fester als die
C–Br-Bindung, es wird Energie frei (ΔEi < 0).
Zur Darstellung
Jeder Stab ist ein Elektronenpaar: grau bindend, rot frei. Wechselt ein Paar seine Aufgabe,
wechselt der Stab die Farbe.
Im Übergangszustand sind die beiden beteiligten Stäbe gestrichelt und gleich
gefärbt. Gestrichelt bedeutet halbe Bindung, nicht halbes Elektronenpaar –
die Elektronen sind vollständig vorhanden, gehören aber keinem der Partner ganz.
Das Ladungszeichen wandert mit; es bleibt dabei stets eine ganze Ladung.
Die drei Wasserstoff-Atome klappen auf die andere Seite um. Trüge das
Kohlenstoff-Atom drei verschiedene Reste, so wäre deren räumliche Anordnung
danach umgekehrt – das Produkt wäre das Spiegelbild dessen, was bei einem Angriff
von vorn entstünde. Am Brommethan-Molekül bleibt das folgenlos, weil alle drei
Reste Wasserstoff-Atome sind.
Grenzen des Modells
Der Übergangszustand lässt sich weder isolieren noch vermessen; seine Geometrie
ist hier berechnet. Dass die Simulation zwei Sekunden darin verharrt, ist eine Freiheit der
Darstellung. Die waagerechte Achse zeigt den Reaktionsverlauf, nicht die Zeit. Die
Atomfarben dienen nur der Unterscheidung.
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