Tool: Nachweisreaktionen für funktionelle Gruppen und Biomoleküle
Versuchsergebnisse auswerten und vorhersagen
Stoffe mit Nachweisversuchen identifizieren
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Welche Verbindung passt?
Alle Ergebnisse gelten für reine Stoffe.
Positive und negative Blindprobe
Bei der positiven Blindprobe wird das Reagenz mit einem Stoff versetzt, der sicher positiv
reagiert. Bei der negativen Blindprobe wird das Reagenz nur mit Wasser versetzt. Erst der Vergleich mit beiden Blindproben zeigt, ob sich das Reagenz mit der Probe
wirklich verändert hat.
Die Nachweise
Bromwasser-Probe
Reagenz
Bromwasser, gelbbraun
Durchführung
Probe zugeben, schütteln, ohne Erwärmen
positiv
Entfärbung
zeigt an
C=C-Doppelbindung: Brom-Moleküle werden an die C=C-Doppelbindung addiert.
Grenzen
Auch Alkanale, Methansäure und Glucose entfärben Bromwasser, weil Brom sie oxidiert. Phenole entfärben Bromwasser durch Substitution; dabei entsteht ein weißer Niederschlag. Alkanone reagieren in saurer Lösung langsam. Bei Alkanen geht das Brom in die obere Phase über; die untere Phase hellt sich auf, ohne dass eine Reaktion stattfindet.
Cer(IV)-ammoniumnitrat-Test
Reagenz
Cer(IV)-ammoniumnitrat in verdünnter Salpetersäure, gelb
Durchführung
Probe zugeben, ohne Erwärmen, Farbe gleich nach der Zugabe beurteilen
positiv
Rotfärbung, die wieder verblassen kann
zeigt an
alkoholische Hydroxygruppe (nicht die O–H-Gruppe der Carboxygruppe): Alkanole, aber auch Zucker und Milchsäure
Grenzen
Phenole ergeben eine braune bis schwarze Färbung oder einen Niederschlag. Die Rotfärbung verblasst, weil die Cer(IV)-Ionen die Moleküle der Probe anschließend oxidieren; bei Zuckern und Milchsäure geschieht das besonders schnell.
2,4-Dinitrophenylhydrazin-Test
Reagenz
2,4-Dinitrophenylhydrazin in saurer Lösung
Durchführung
Probe zugeben, schütteln, ohne Erwärmen
positiv
gelber bis orangeroter Niederschlag
zeigt an
Aldehyd- oder Ketogruppe (Alkanale und Alkanone)
Grenzen
Carbonsäuren und Ester reagieren nicht, obwohl ihre Moleküle eine C=O-Bindung enthalten: Das benachbarte O-Atom verringert die positive Partialladung am C-Atom.
Fehling-Probe
Reagenz
Fehling I (Kupfer(II)-sulfat-Lösung) und Fehling II (alkalische Tartrat-Lösung), gemischt tiefblau
Durchführung
Probe zugeben, im Wasserbad erwärmen
positiv
ziegelroter Niederschlag von Kupfer(I)-oxid
zeigt an
reduzierende Wirkung, meist eine Aldehydgruppe
Grenzen
Fructose reagiert ebenfalls: Im alkalischen Reagenz lagern sich Fructose-Moleküle über ein Endiol teilweise in Glucose- und Mannose-Moleküle um (Keto-Endiol-Tautomerie). Benzaldehyd reagiert nicht.
Benedict-Probe
Reagenz
Kupfer(II)-sulfat, Natriumcitrat und Natriumcarbonat in Wasser, blau; weniger stark alkalisch als die Fehling-Lösung und lange haltbar
Durchführung
Probe zugeben, im Wasserbad erwärmen
positiv
je nach Gehalt an reduzierendem Stoff grün, gelb, orange bis ziegelrot (Kupfer(I)-oxid)
zeigt an
reduzierende Wirkung, meist eine Aldehydgruppe
Grenzen
wie bei der Fehling-Probe
Tollens-Probe
Reagenz
ammoniakalische Silbernitrat-Lösung, farblos, immer frisch angesetzt
Durchführung
Probe zugeben, im Wasserbad erwärmen, nicht schütteln
positiv
Silberspiegel an der Glaswand oder grauschwarzer Niederschlag
zeigt an
reduzierende Wirkung, meist eine Aldehydgruppe
Grenzen
Auch Methansäure und Fructose reagieren.
Schiffsche Probe
Reagenz
Schiff-Reagenz (fuchsinschweflige Säure), farblos
Durchführung
Probe zugeben, nicht erwärmen, nach kurzer Zeit beurteilen und nicht lange stehen lassen. Beim Erwärmen färbt sich das Reagenz auch ohne Probe.
positiv
rosa bis rotviolette Färbung
zeigt an
Aldehydgruppe
Grenzen
Zucker reagieren nicht oder erst nach langer Zeit: Glucose-Moleküle liegen fast vollständig in der Ringform ohne Aldehydgruppe vor. Bei manchen Alkanonen kann sich die Lösung nach einiger Zeit schwach rosa färben, oft durch Spuren von Alkanalen.
Bromthymolblau-Test
Reagenz
Bromthymolblau-Lösung; in neutraler Lösung grün
Durchführung
einige Tropfen zur wässrigen Probe geben
positiv
Gelbfärbung: Die Lösung ist sauer.
zeigt an
bei organischen Stoffen meist eine Carboxygruppe
Grenzen
Jede saure Lösung färbt Bromthymolblau gelb. Ester aus dem Vorrat können Spuren von Carbonsäure enthalten.
Rojahn-Test
Reagenz
Probe mit Phenolphthalein-Lösung und wenig Natronlauge, rosa
Durchführung
im Wasserbad bei etwa 40 °C erwärmen
positiv
Entfärbung beim Erwärmen
zeigt an
Estergruppe: Bei der Esterspaltung werden Hydroxid-Ionen verbraucht.
Grenzen
Carbonsäuren entfärben sofort, weil sie die Natronlauge neutralisieren.
Stärke: Iod-Moleküle und Polyiodid-Ionen lagern sich in die schraubenförmigen Amylose-Moleküle ein.
Grenzen
Beim Erwärmen verschwindet die Färbung, beim Abkühlen kehrt sie zurück.
GOD-Test
Reagenz
Teststreifen mit den Enzymen Glucoseoxidase und Peroxidase und einer Farbstoff-Vorstufe
Durchführung
Teststreifen kurz eintauchen, nach der Ablesezeit auf der Packung beurteilen
positiv
Das Testfeld färbt sich, je nach Hersteller grün bis blaugrün.
zeigt an
Glucose; andere Zucker werden nicht umgesetzt.
Grenzen
Das Enzym setzt nur Glucose-Moleküle um, nicht die Glucose-Bausteine in Maltose-, Saccharose- oder Stärke-Molekülen. Handelsübliche Maltose und Saccharose enthalten aber oft Spuren von Glucose; dann färbt sich das Testfeld schwach.
Seliwanow-Probe
Reagenz
Resorcin in Salzsäure (c ≈ 4 mol/L)
Durchführung
Probe zugeben, höchstens eine Minute im siedenden Wasserbad erhitzen
positiv
Rotfärbung
zeigt an
Ketohexosen wie Fructose
Grenzen
Saccharose reagiert ebenfalls, weil die Salzsäure sie beim Erhitzen in Glucose und Fructose spaltet. Bei längerem Erhitzen färben sich auch Glucose-Lösungen schwach.
Biuret-Reaktion
Reagenz
Natronlauge und wenig Kupfer(II)-sulfat-Lösung, hellblau
Durchführung
Probe zugeben, ohne Erwärmen
positiv
Violettfärbung
zeigt an
mindestens zwei Peptidbindungen: Proteine und Peptide ab drei Aminosäure-Bausteinen
Grenzen
Aminosäuren und Dipeptide reagieren nicht. Zucker ergeben eine tiefblaue Lösung, aber keine Violettfärbung.
Ninhydrin-Reaktion
Reagenz
Ninhydrin-Lösung
Durchführung
Probe zugeben, im Wasserbad erwärmen
positiv
blauviolette Färbung
zeigt an
freie Aminogruppe: Aminosäuren und kurze Peptide
Grenzen
Auch Ammonium-Ionen und primäre Amine ergeben eine blauviolette Färbung (Ruhemanns Purpur). Prolin ergibt eine gelbe Färbung.
Xanthoprotein-Reaktion
Reagenz
konzentrierte Salpetersäure, danach Ammoniak-Lösung
Durchführung
Probe mit Salpetersäure erwärmen, abkühlen, Ammoniak-Lösung zugeben
positiv
Gelbfärbung, nach Zugabe von Ammoniak orange
zeigt an
aktivierte aromatische Ringe, zum Beispiel in Tyrosin- und Tryptophan-Bausteinen von Proteinen
Grenzen
Phenylalanin-Bausteine reagieren unter Schulbedingungen kaum, weil ihr aromatischer Ring nicht aktiviert ist. Auch die Haut färbt sich mit konzentrierter Salpetersäure gelb, weil ihre Protein-Moleküle Tyrosin- und Tryptophan-Bausteine enthalten.
Sicherheit im echten Labor
Schutzbrille tragen. Bromwasser ist giftig und ätzend: nur unter dem Abzug arbeiten. Das
Tollens-Reagenz immer frisch ansetzen und nach dem Versuch sofort entsorgen, weil sich beim Stehen
explosive Silberverbindungen bilden können. Konzentrierte Salpetersäure ist stark ätzend und
färbt die Haut gelb; bei der Xanthoprotein-Reaktion entstehen nitrose Gase: nur unter dem Abzug arbeiten.
Auch Fehling-Lösung II und Natronlauge sind ätzend; das Seliwanow-Reagenz (Salzsäure) reizt Haut, Augen und Atemwege.
Das 2,4-Dinitrophenylhydrazin-Reagenz ist gesundheitsschädlich und ätzend; festes
2,4-Dinitrophenylhydrazin ist in trockenem Zustand explosionsgefährlich. Cer(IV)-ammoniumnitrat ist
brandfördernd und ätzend. Schiff-Reagenz enthält Fuchsin, einen Farbstoff, der im Verdacht steht,
Krebs zu erzeugen. Methanol und Prop-2-en-1-ol sind giftig. Hexan, Cyclohexan, Hex-1-en und Cyclohexen sind leicht entzündbar,
ebenso viele andere Proben wie Ethanol, Propanon und die Ester: keine offene Flamme, nur im Wasserbad
erwärmen. Vor jedem Realversuch ist eine Gefährdungsbeurteilung nötig.
Zur Darstellung
Die Farben der Reagenzgläser sind vereinfacht. Bei der Benedict-Probe zeigen die Bilder den
ziegelroten Niederschlag, der bei hohem Gehalt an reduzierendem Stoff entsteht. Alle Ergebnisse gelten für reine Stoffe.
Alkanole, Alkanale, Alkanone, Carbonsäuren und Ester mit höchstens vier C-Atomen in der Kette
werden als vollständige Valenzstrichformel dargestellt; Aminosäuren, Peptide,
Fette und größere Moleküle als verkürzte Strukturformel, aromatische Ringe als Sechseck ohne
C- und H-Atome. Glucose und Fructose sind als Fischer-Projektion dargestellt, Maltose, Saccharose und
Stärke als Haworth-Formel ohne die H-Atome am Ring; bei Stärke ist ein Ausschnitt aus einem
Amylose-Molekül gezeigt. In Haworth-Formeln und in Gruppen wie CH2OH sind die
freien Elektronenpaare nicht gezeichnet, in Fischer-Projektionen nur an der C=O-Gruppe.