Räumliche Struktur von Fettsäure-Molekülen und Fettmolekülen
Wie entstehen Fettmoleküle aus Fettsäure-Molekülen?
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Fettsäuren und Fette
Bau der Fettsäure-Moleküle
Fettsäuren sind Alkansäuren, deren Moleküle eine lange, unverzweigte Kohlenstoffkette besitzen. An einem Kettenende sitzt die Carboxy-Gruppe, der Rest der Kette ist ein reiner Kohlenwasserstoff-Teil. Fast alle natürlichen Fettsäure-Moleküle enthalten eine gerade Anzahl von C-Atomen – sie werden im Körper aus C2-Bausteinen aufgebaut.
In den Molekülen einer gesättigten Fettsäure gibt es keine C=C-Doppelbindung. Die Kette ist gestreckt (Zickzack).
Die Moleküle einer ungesättigten Fettsäure enthalten mindestens eine C=C-Doppelbindung. In der Natur ist sie Z-konfiguriert; die Kette knickt dort um rund 30° ab.
Die Kurzschreibweise beschreibt den Molekülbau: C18:1 bedeutet 18 C-Atome und eine Doppelbindung.
Nomenklatur
Der systematische Name nennt Kettenlänge, Lage und Konfiguration jeder Doppelbindung. Die Ölsäure heißt vollständig (9Z)-Octadec-9-ensäure: 18 C-Atome (Octadec-), eine Doppelbindung (-en-) zwischen dem 9. und dem 10. C-Atom, Z-konfiguriert. Bei mehreren Doppelbindungen wird jede einzeln aufgeführt, etwa Linolsäure = (9Z,12Z)-Octadeca-9,12-diensäure.
In der Ernährungslehre wird zusätzlich vom anderen Kettenende aus gezählt: Bei einer ω-3-Fettsäure liegt die erste Doppelbindung am dritten C-Atom, vom Methyl-Ende aus gesehen. Beide Zählweisen beschreiben dasselbe Molekül, nur von verschiedenen Enden her.
Z und E – und was trans-Fettsäuren sind
Um eine C=C-Doppelbindung ist keine Drehung möglich. Liegen die beiden Kettenstücke auf derselben Seite der Doppelbindung, so ist sie Z-konfiguriert (früher: cis); liegen sie auf verschiedenen Seiten, so ist sie E-konfiguriert (früher: trans).
Die Moleküle natürlicher ungesättigter Fettsäuren sind praktisch immer Z-konfiguriert. E-konfigurierte Fettsäuren – die trans-Fettsäuren – entstehen vor allem bei der Fetthärtung (teilweise Hydrierung fetter Öle) und im Pansen der Wiederkäuer.
Der Viewer enthält dafür die Elaidinsäure, das E-Isomer der Ölsäure: gleiche Molekülformel, Doppelbindung an derselben Stelle, nur andere Konfiguration. Ihre Moleküle bleiben gestreckt wie die einer gesättigten Fettsäure. Deshalb schmilzt die Elaidinsäure nicht bei 14 °C wie die Ölsäure, sondern erst bei 44 °C. Weil sich trans-Fettsäuren dadurch wie gesättigte verhalten, gelten sie in der Ernährung als besonders ungünstig.
Warum ein Knick die Schmelztemperatur senkt
Zwischen den Molekülen wirken Van-der-Waals-Kräfte (London-Kräfte). Sie sind umso stärker, je größer die Kontaktfläche zwischen den Molekülen ist.
Gestreckte Moleküle lassen sich dicht stapeln: große Kontaktfläche, starke Anziehung – der Stoff schmilzt erst bei hoher Temperatur.
Geknickte Moleküle passen nicht dicht aneinander: kleine Kontaktfläche, schwache Anziehung – der Stoff schmilzt schon bei niedriger Temperatur.
Je mehr Doppelbindungen ein Molekül enthält, desto mehr Knicke hat es. Bei gleicher Kettenlänge schmilzt Stearinsäure (C18:0) bei 69,4 °C, Ölsäure (C18:1) bei 14 °C, Linolsäure (C18:2) bei −5 °C und α-Linolensäure (C18:3) bei −11 °C.
Bei gleicher Zahl von Doppelbindungen steigt die Schmelztemperatur mit der Kettenlänge: Butansäure (C4:0) −8 °C, Laurinsäure (C12:0) 43,5 °C, Behensäure (C22:0) 80 °C.
Wie ein Fettmolekül entsteht
Ein Fettmolekül entsteht aus einem Glycerin-Molekül (Propan-1,2,3-triol) und drei Fettsäure-Molekülen. Jede der drei Hydroxy-Gruppen des Glycerin-Moleküls reagiert mit der Carboxy-Gruppe eines Fettsäure-Moleküls; dabei wird jedes Mal ein Wasser-Molekül abgespalten. Diese Reaktion heißt Kondensationsreaktion.
Im fertigen Fettmolekül sind ein Glycerin-Rest und drei Fettsäure-Reste über drei Esterbindungen miteinander verknüpft. Fette sind also Ester – genauer: Triacylglycerine (früher auch Triglyceride genannt).
Die drei Fettsäure-Reste eines Fettmoleküls müssen nicht gleich sein, und in der Natur sind sie es meist nicht. Ein natürliches Fett enthält sehr viele verschiedene Fettmoleküle – es ist deshalb kein Reinstoff, sondern ein Stoffgemisch.
Die drei Ketten eines Fettmoleküls ordnen sich in der Stimmgabel-Form an: Zwei Fettsäure-Reste liegen parallel nebeneinander, der dritte läuft entgegengesetzt. In dieser Form liegen die Moleküle auch im festen Fett dicht beieinander.
Fett oder fettes Öl? Schmelztemperatur und Schmelzbereich
Eine Fettsäure ist ein Reinstoff. Sie besitzt eine Schmelztemperatur.
Ein Fett ist ein Stoffgemisch. Es besitzt keine scharfe Schmelztemperatur, sondern einen Schmelzbereich.
Enthält ein Fett überwiegend Moleküle mit gesättigten Fettsäure-Resten, so ist es bei Raumtemperatur fest (Butter, Talg, Kokosfett). Überwiegen Moleküle mit ungesättigten Resten, so ist es flüssig – man spricht von einem fetten Öl (Olivenöl, Rapsöl).
Die Umkehrung der Kondensation ist die Esterhydrolyse. Führt man sie im Alkalischen durch, so entstehen die Salze der Fettsäuren – die Seifen (Verseifung).
Darstellung: räumliche Molekülstrukturen (Strukturdaten aus PubChem, kraftfeldoptimiert, Ketten gestreckt gerechnet). Die Konfiguration jeder Doppelbindung wurde rechnerisch geprüft. Die Fettmoleküle werden aus einem vermessenen Glycerin-Gerüst und den drei gewählten Fettsäure-Resten zusammengesetzt.